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Das Informatik-Studium:
Wer - Was
- Wie
von Peter Bachmann
Hier werden allgemeine Hinweise zum Studium der Informatik, beziehungsweise
zum Studieren allgemein, gegeben. Da wir uns auf einer www-Seite
befinden, wurde dieses Thema in die drei W-Überschriften:
Wer sollte Informatik
studieren, wer nicht?
Was umfasst das Studium?
Wie sollte man studieren?
unterteilt. Natürlich kann man noch viel mehr zum Studium sagen,
hier nur ein kleiner Ausschnitt, dessen Aussagen sehr von den eigenen
Erfahrungen und Ansichten des Autors geprägt sind. Fassen Sie
nachfolgende Zeilen deshalb als Hinweise auf, die keine Dogmen darstellen.
Man kann sich daran orientieren, muss es aber nicht. Mancher kommt
vielleicht besser, wenn er sich anders verhält, als unter Wie
empfohlen.
Um auf weitere Ansichten hinzuweisen, werden am Ende Hinweise auf
einige Bücher und Artikel gegeben, die sich
diesem Thema widmen.
Wer sollte Informatik studieren, wer nicht?
Unabhängig vom Fach: Studieren heisst sich bemühen.
Es macht also im allgemeinen Mühe, die man, möglichst
sogar gern, auf sich nehmen muss. Sich bemühen bringt
zudem zum Ausdruck, dass der Antrieb zum Studieren aus jedem selbst
kommen muss, geboren am Interesse am gewählten Fach, insbesondere
aber am Interesse Wissen zu erwerben und anzuwenden sowie selbst
dazu beizutragen, Wissen zu vermehren.
Wer dieses Interesse hat und bereit ist, dafür mehr Zeit zu
spendieren, als es im allgemeinen von Arbeitnehmern abverlangt wird,
der sollte studieren. Anderenfalls ist vom Studium generell abzuraten.
Wer dazu noch besonderen Reiz daran hat, mit Hilfe des Computers
die Realität zu modellieren und zu analysieren, Probleme der
Realität zu lösen oder sogar dazu beizutragen, dass solche
Instrumentarien der Informatik erforscht und weiterentwickelt werden,
der ist richtig beim Informatik-Studium. Er sollte sich darauf einstellen,
dass im Informatik-Studium eine erstaunliche Breite an Wissen zu
erwerben ist, das nicht unmittelbar der Informatik zugeordnet wird.
Dazu gehören insbesondere Mathematik-Anteile, die auch eine
entscheidende Denkschule sind. Abstraktionsvermögen, Spaß
an analytischem Denken und komplexen Konstruktionen sind wichtige
Merkmale des erfolgreichen Informatikers. Mathematikmuffel, die
Mathematik in der Schule abgewählt haben, sollten vom Informatik-Studium
Abstand nehmen.
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Was umfasst das Studium?
Aus methodischer Sicht umfasst das Studium
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Vorlesungen, in denen Wissen vermittelt wird. Sie sind
oft, insbesondere im Fach- und Hauptstudium, so angelegt, dass
nur Hinweise gegeben werden, welcher Wissenstoff generell oder
gegenwärtig wichtig erscheint und wie man sich diesen aneignen
kann.
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Übungen zu den Vorlesungen helfen, das Wissen
anzueignen und zu nutzen. Übungen sind als Unterstützung
für die Studierenden angelegt.
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Praktika erfordern die eigenständige Lösung
von praktischen Problemen mit Hilfe des angeeigneten Wissens.
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Seminare sollen die Vortragstätigkeit trainieren,
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Studienarbeiten dienen der eigenständigen Lösung
von kleineren Problemstellungen.
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Berufspraktika werden in einer Einrichtung der Verwaltung
oder Wirtschaft geleistet und sollen einen Einblick in die Berufspraxis
vermitteln.
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Abschlussarbeiten sollen zeigen, ob der angehende Absolvent
reif ist, in die berufliche Praxis entlassen zu werden.
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Aus inhaltlicher Sicht ist das Studium unterteilt in
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das Grundstudium, in dem die zu besuchenden Lehrveranstaltungen
relativ fest vorgegeben sind und in dem die inhaltlichen Grundlagen
der Informatik vermittelt werden und
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das Fach- bzw. Hauptstudium, das sehr flexibel angelegt ist
und in dem die Studierenden sich, unter Wahrung einer soliden
Breitenausbildung, ihren individuellen Interessen gemäß
spezialisieren können.
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Die Phasen Grund-, Fach- und Hauptstudium sind beim Diplomstudiengang
und beim Bachelor/Master-Studiengang
unterschiedlich angelegt, stimmen in ihrer inhaltlichen Gestaltung
aber überein. Genaueres kann man aus den entsprechenden Webseiten
erfahren.
Der wichtigste Unterschied ist, dass im Diplomstudiengang
das Grundstudium mit dem Vordiplom, einer Urkunde, abgeschlossen
wird. Diese Urkunde weist aber nur nach, dass dieser als 4-semestrige
geplante Studienabschnitt erfolgreich bewältigt wurde. Das
Studium muss mit dem als 6-semestrig geplanten Hauptstudium
forgesetzt werden, wenn eine berufliche Qualifikation erreicht werden
will.
Im Bachelor-Studiengang
gibt es keine Urkunde für den Abschluss des Grundstudiums,
das auch 4 Semester umfasst. Das wird nur dadurch dokumentiert,
dass eine festgelegte Anzahl von Modulen absolviert wurden. Das
Fachstudium beträgt hier nur zwei Semester. Mit dem Grad Bachelor
of Science ist dann ein erster berufsqualifizierender Abschluss
erreicht, was zum Eintritt ins Berufsleben berechtigt.
Will man aber eine höhere Qualifikation erreichen, strebt
man also einen späteren Einsatz in Forschung und Entwicklung
an, so ist der Übergang in den Master-Studiengang
möglich. Bedingung hierfür ist, dass ein Bachelor-Grad
in Informatik mit einer Durchschnittsnote kleiner 2,3 erworben wurde
oder, wenn das nicht der Fall ist, kann man den Eintritt ins Master-Studium
mit einem Informatik-nahen Bachelor-Grad über eine erfolgreich
absolvierte Eignungsprüfung erreichen.
Zwischen dem Diplomstudiengang und den Bachelor-Master-Studiengängen
sind Wechsel, jeweils nach dem Vordiplom oder dem Bachelor-Grad,
vorgesehen.
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Wie sollte man studieren?
Der Umfang der obligatorischen Lehrveranstaltungen liegt um die
20 bis maximal 28 Stunden in der Woche (Semesterwochenstunden, SWS).
Dazu kommen die Aufwendungen für die eigenständige Arbeit,
das heisst die Lösung von Übungsaufgaben und Praktika,
die Vorbereitung von Seminaren, das Selbststudium. Auch die vorlesungsfreie
Zeit in den Semesterpausen kann nicht voll für Hobbies genutzt
werden! Um den erreichten Studienfortschritt nachzuweisen werden
für jedes Semester, einschliesslich der vorlesungsfreien Zeiten,
sogenannte Kreditpunkte vergeben. Es wird erwartet, dass jede Studentin
und jeder Student im Durchschnitt pro Semester 30 Kreditpunkte erwirbt.
Um den dazu zu erbringenden Arbeitsaufwand abzuschätzen kann man
davon ausgehen, dass pro Kreditpunkt etwa 30 Stunden Arbeit notwendig
ist.
Selbständigkeit im Studium ist eines der wichtigsten Erfordernisse!
Jede und jeder muss für sich entscheiden lernen, wo Schwächen
aber auch Stärken liegen. Dabei erhält er Hilfe durch
Professorinnen und Professoren, durch Assistentinnen und Assistenten
und durch Kommilitoninnen und Kommilitonen, wenn gewünscht.
Wer nicht um Hilfe nachsucht, wird ohne Hilfe bleiben. Das ist ein
wesentlicher Unterschied zum Schulbetrieb.
Vorlesungen regelmässig, am besten unmittelbar und anhand
der Übungen, nachzuarbeiten ist eine Garantie für Erfolg.
Auch hier ist die Arbeit im Team unter den Studierenden sehr zu
empfehlen. Das Abschreiben von Lösungen wird zwar (zu) oft
praktiziert, gibt aber keinerlei Hilfe. Bei vielen Lehrveranstaltungen
ist die Abgabe von Lösungen zu Übungen deshalb freiwillig,
um den Abschreibaufwand zu ersparen.
Hat man sein Studium erfolgreich absolviert, hört das Lernen
nicht auf. Die Informatik, als relativ junges Gebiet, entwickelt
sich schnell weiter. Das erfordert die Einarbeitung in neue Entwiclungen,
will man mithalten. Im Studium ist die selbständige Aneignung
von Wissen, zum Beipiel durch Literaturstudien, zu trainieren und
zum Bedürfnis zu entwickeln!
Meine eigene Erfahrung besagt: rechtzeitig ein spezielles Interessengebiet
finden, auf dem man sich mit eigenen kleinen Forschungsaktivitäten
versucht. An den Lehrstühlen unseres Institutes gibt es dafür
viele Möglichkeiten. Nur selten finden wir das Universalgenie,
das überall gleich gut ist, oft aber sind die Studierenden
auf speziellen Gebieten bereits erfolgreich, legen dort erste eigene
Resultate und Veröffentlichungen vor. Das schafft Erfolgserlebnisse
und macht Spass. Spätestens bei der Abschluss-Arbeit wird dies
erlebbar.
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Hier ein paar Bücher, die der Entscheidungsfindung
dienen können:
Peter Rechenberg: Was ist Informatik?
Carl Hanser-Verlag, 1994, ISBN 3-446-17491-5, DM 38,00.
Reinhard Wilhelm (Hg.): Informatik - Grundlagen, Anwendungen, Perspektiven.
C.H. Beck, 1996, ISBN 3-406-40338-7, DM 14,80. Kurze Darstellung
verschiedener Informatik-Teilbereiche von mehreren Fachleuten.
Wilfried Brauer, Siegfried Münch: Studien- und Forschungsführer
Informatik,
Springer-Verlag, 1996, ISBN 3-540-35417-0, DM 28,00. Herausgegeben
in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Informatik und der
Hochschulrektorenkonferenz. Mit einer Übersicht über die
Studienpläne der einzelnen Hochschulen sowie einer Beschreibung
von Forschungsprojekte an Universitäten.
Uwe Lämmel: Informatik erfolgreich studieren - ein Studienführer
im dtv.
dtv-Verlag, 1995, ISBN 3-423-41005-1, DM 14,90.
"Diplom-Informatiker / Diplom-Informatikerin", Blätter zur
Berufskunde. Erhältlich beim Arbeitsamt bzw. den Berufsbildungszentren.
Die multimediale "Informatik-CD" informiert Schülerinnen und
Schüler über das Informatikstudium und spätere Berufsfelder.
Sie ist gegen eine Schutzgebühr von 10 DM bei der DLGI, Ahrstraße
45, 53175 Bonn, erhältlich.
Speziell an Schülerinnen richtet sich die Broschüre "Informatikerin?
Wieso nicht?",
erhältlich bei der Gesellschaft für Informatik (Ahrstraße
45, 53175 Bonn, E-mail: gibonn@gmd.de).
© 2003 Peter Bachmann
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